Ausgabe 03 - 2000berliner stadtzeitung
scheinschlag

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Salz auf unserer faltigen Haut

"Schöne Venus" von Tonie Marshall

Früher, als Singles noch kleine Schallplatten waren, wollte man mit 30 entweder aus dem Fenster springen oder heiraten.

Im Jahr 2000 sind alleinerziehende 39jährige es sich wert, ihre Jugend mit französischen Markenprodukten zu konservieren.

Ang¸le (Nathalie Baye) ist 40, und das sieht man ihr, die im tröstlich gedämpften Licht des Pariser Schönheitssalons "Venus" den alternden Kundinnen die wohlriechende Illusion ewiger Jugend in die faltige Haut massiert, auch an. Den Glauben an das grosse Glück hat sie längst durch austauschbare Zufallsbekanntschaften ersetzt. Die letzten Gefühlsreste verbirgt sie hinter einer ungeschminkten Maske aus schnoddriger Arroganz.

Daran ändert sich zunächst auch nichts, als der jungenhaft charmante Bildhauer nach einem Blick in Ang¸les traurige Augen in unsterblicher Liebe entflammt.

Ang¸le wird seinen nimmermüden Gefühlswerbungen schließlich Glauben schenken. Die von der handy- und actionfreien Atmosphäre anfänglich angenehm entspannte Zuschauerin leider nicht. Zu vorhersehbar lässt die Regisseurin Tonie Marshall, die man für ihr unzeitgemässes Anliegen loben muss und für ihre realitätsnahe Inszenierung gerne loben würde, die auf- und abwallenden Gefühle zwei lange Kinostunden vor sich hinköcheln; nachvollziehbar wird die Anziehung des allzu ungleichen Paares nicht. Und so fühlt man sich am Ende wie nach einem zu langen Aufenthalt in der Parfumerie-Abteilung des KaDeWe und kehrt unangenehm benebelt nur zu gerne in die erleichternd rauhe Wirklichkeit zurück.

go

Kinostart: 6.April

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