Ausgabe 09 - 2000berliner stadtzeitung
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Der Tod kommt zweimal, dreimal, viermal

In "Final Destination" bringt der Tod den Tod

Wenn erst einmal der Tod keinen Plan mehr hat, dann wird’s richtig gruselig. Das kann man leicht verstehen, schließlich hat er einem ernsten Geschäft nachzugehen, bei dem ihn niemand ersetzen kann. Gerne geben Filmtode- zumal der poetischeren Sorte eines Bergmann oder Cocteau- zu Protokoll, selbst nicht zu wissen, weshalb sie tun, was sie tun. Doch hält sie das nicht davon ab, ihren Job mit unbeirrbarer Akkuratesse zu erledigen.

Es hieße allerdings mit rezensierenden Kanonen Spatzen von den Dächern hollywoodschen Filmschaffens zu fetzen, wollte man "Final Destination" mit derart philosophischen Betrachtungen über den Sinn des Sterbens vergleichen. Zumal der Witz des Films darin besteht, dass die ihm Geweihten den Gevatter gerade nicht in persona zu spüren bekommen. Das Prinzip, durch unsichtbare Bedrohung das Unheimliche zu schaffen, wird hier getoppt, indem der allmächtige Tod selbst als Quelle ultimativen Horrors in Szene gesetzt wird.

Es beginnt damit, dass die Pläne des Sensenmanns unversehens vereitelt werden, als College-Absolvent Alex in einer nervenzerfetzenden Vision sein eigenes Ableben bei der Explosion des Flugzeugs voraussieht, mit dem er und seine Klasse nach Paris fliegen wollten. Noch vor dem Start von Bord geflüchtet, werden er und ein paar andere fassungslose Zeugen, wie der Rest der Klasse in einem Feuerball über New York darnieder regnet.

Mit welcher Bedrohung er es zu tun hat, ahnt Alex erst, als ein weiterer seiner Freunde nach endlos qualvollem Kampf mit einer unsichtbaren Macht in Seife ausgerutscht und am Wäschedraht erhängt im Badezimmer endet. Alex dämmert, dass die buchstäblich von der Schippe Gesprungenen nur weiter atmen dürfen, wenn sie den großen Gleichmacher (der langsam wütend wird und damit doch einen Charakter erhält) erneut austricksen. Das wird zunehmend schwierig, denn, hey, was wäre der Tod, wenn er nicht mal schnell mit Blitz, Feuersbrunst und LKWs hantieren könnte! Und wie es meistens so ist, die Doofen sterben schnell und witzig, die Ernsten langsam und qualvoll. Das hat durchaus Nagelkauqualität bis das Blut quillt. Doch während der Tod so tötet und seine Unaufhaltsamkeit demonstriert, kriecht die Gewissheit vom Scheitern der Idee an den Klippen minimaler Plausibilität langsam die Rückenwirbel hoch wie die zittrigen Lippen eines nach Hirn dürstenden Zombies auf der Suche nach Nahrung.

Markus Sailer

Final Destination, USA 2000. Regie: James Wong. Mit Devon Sawa, Ali Carter u.a.

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