Ausgabe 04 - 1998berliner stadtzeitung
scheinschlag

Diese Ausgabe

Inhaltsverzeichnis


Zur Homepage

Pünktlich zum Ende der Berlinale:
Das Independent Film Special

Allein das Independent Filmfestival "Circles of Confusion" erhielt im letzten Jahr 300 Anmeldungen, wobei sämtliche Formate und Längen vertreten waren. Rund 100 dieser Filme stammen nach Angaben der Veranstalter aus dem Berliner Raum und wurden in den letzten zwei Jahren produziert, nur die Spitze eines Eisberges, um den sich viele unscharfe Begriffe ranken: Independent Film, Underground Film, Unabhängiger Film.

Von kleinen Tarantinos und glücklichen Arbeitslosen

Die nicht-kommerzielle Filmszene ist so facettenreich, daß die Suche nach einer verbindlichen Definition von vornherein unsinnig ist. Der kleinste gemeinsame Nenner ist hingegen schnell gefunden: Geldmangel. Ein Independent Film entsteht fast zwangsläufig als "No-Budget Film", also privat finanziert und extrem knapp kalkuliert (Siehe nächste Seite). Berliner Filmemacher wählen unterschiedliche Strategien, um mit diesem Problem leben zu können und treffen so auch immer eine Entscheidung über Gestalt und Inhalt ihrer Arbeiten. Die einen verzichten bewußt auf eine marktgerechte Formatierung ihrer Filme, erklären den konstanten Mangel zum Jagdschein, der ihnen erlaubt, nach Herzenslust zu experimentieren und Diskurse aufzugreifen, die laut "Production-Code" der Filmgroßmächtigen tabu sind. Die andere Fraktion verdreht die Augen in Richtung Hollywood. Ihre Götter heißen Petersen, Emmerich oder Tarantino, und sie stecken alles, was an Geld und Energie verfügbar ist, in zehnminütige Genresplitter, die oft fatal an die "Lindenstraße" erinnern, aber doch so gerne "Pulp Fiction" sein möchten. Während die erste Gruppe - die "Dissidenten"- oft jahrelang fröhlich produziert und sich auf den kleinen Festivals ein Stelldichein gibt, haben die Karrieristen zumeist nur einen Schuß in der Trommel. Ihr Einsatz bringt sie entweder an die Filmschule, oder sie geben auf. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine breite Grauzone, in der sich alles und jede(r) tummelt. Dort stößt man hin und wieder auch auf echte Talente. RegisseurInnen, die begriffen haben, was einen guten Independent Film ausmacht: Die perfekte Balance aus Anspruch und Unterhaltung, Souveränität im Umgang mit der Filmsprache, jenseits von bloßer technischer Perfektion. Regeln brechen, Grenzen überschreiten, das Risiko suchen. Independent Film als pfiffige Induktion gegen den visuellen Schleim, der uns tagtäglich das Gehirn zu verkleistern droht.

J.L

Zwei Berliner Filmemacher im Vergleich

Auf Erfolgskurs - Veit Helmer

"Der Gerichtsvollzieher stand schon öfter vor meiner Tür". Heute grinst Veit Helmer bei der Erinnerung an jene Zeit, als er durch seine Filmprojekte so verschuldet war, daß ihm sogar der Anrufbeantworter gepfändet wurde. Mittlerweile kann er sich von Werbefilmaufträgen ganz gut ernähren und gilt als Hoffnungsträger unter den Berliner Nachwuchsregisseuren. Der Neunundzwanzigjährige hat einen Punkt in seiner Karriere erreicht, von dem die meisten Filmemacher vergeblich träumen; die Chance, unter professionellen Bedingungen einen abendfüllenden Spielfilm zu produzieren. Sein Erstling "Tuvalu" soll dieses Jahr gedreht werden, der Kinostart ist für den Herbst ´99 geplant. Helmers Vita dokumentiert den geradlinigen Weg bis zu diesem Punkt, von den ersten filmischen Gehversuchen mit dreizehn Jahren, über Volontariate und Praktika bis hin zum Studium an der renommierten Filmhochschule in München. Schon früh gab es Preise auf kleineren Festivals, von dort ging es bis nach Cannes, wo er 1995 mit dem Kurzfilm "Surprise" den Publikumspreis erringen konnte. Die flotte Komödie um einen Bastler, der seine Geliebte mit Hilfe einer komplexen Mechanik aus dem Bett zum Frühstückstisch katapultiert, zeigt in verdichteter Form die stilbildenden Elemente seiner Kurzfilme: Fast immer sind es romantische Großstadtkomödien, stets mit einer satten Portion schwarzen Humors gewürzt, oft aber auch mit tragischen Momenten. Auffällig ist die Nähe zum Stummfilm, der konsequente Verzicht auf Dialoge, die Neigung zum Slapstick und zu technischen Experimenten wie der Handkolorierung oder der Kombination ungewöhnlicher Formate. "Ich glaube, daß ich eine Handschrift entwickelt habe, die erst im Langfilm zu voller Blüte kommt", meint Helmer. Daß er in dieser Hinsicht keine Kompromisse macht, bekamen auch diverse Filmverleihe zu spüren, die nach dem Erfolg von "Surprise" bei ihm anklopften, um seinen ersten Spielfilm zu finanzieren. "Die konnten nicht glauben, daß ich einen Film ohne Dialoge machen wollte und sprangen nacheinander ab." Helmer setzte sich über alle Einwände hinweg und stellte dennoch die Finanzierung für "Tuvalu" auf die Beine, konnte mit "Buena Vista" sogar eine amerikanische "Major Company" für den Film gewinnen: "Wenn mir jemand sagt: ÔVeit, das schaffst Du nie´, dann ist das Projekt interessant". Entsprechend wenig Verständnis zeigt er für Kollegen, die sich über mangelhafte Strukturen oder fehlende Chancen beklagen. "Gerade in Berlin gibt es viele Leute, die Anfänger unterstützen. Die Filmszene hier ist sehr kooperativ." Eine Grundvoraussetzung für den Erfolg sei allerdings die Fähigkeit, auf andere zuzugehen, für sich und sein Projekt Begeisterung zu wecken, mithin: Verkaufstalent. "Das Drehbuch ist wichtig, aber wichtiger sind die Personen. Geld steckt man immer auch in Menschen. Man muß vollkommen davon überzeugt sein, was man macht." Für Helmer, den Pragmatiker, definiert sich der Independent Film ex negativo über wirtschaftliche Mechanismen: "Independent Film ist das Gegenteil von Auftragsfilm". Der Status des sich selbst und andere ausbeutenden No-Budget Autorenfilmers ist für ihn kein Ideal, sondern lediglich eine unvermeidbare Phase in der professionellen Entwicklung. Geldquellen zu erschließen, bedeute nicht zwangsläufig, sich künstlerisch zu prostituieren. Allerdings, betont Helmer, müsse man die Fäden in der Hand behalten: "Viele Regisseure hassen den organisatorischen Aspekt beim Filmemachen. Für mich gehört das elementar dazu. Nur so kann ich die Bedingungen bestimmen, unter denen ich arbeite." Veit Helmers Tip für Regisseure in spe fällt knapp aus: "Geh auf den Flohmarkt, kauf Dir eine alte Super-8 Kamera, und fang an."

J.L.

Schwer vermittelbar - Fanny Zanke

Ihr Blick fällt durch die Panoramascheiben des Cafés auf ein feuchtkaltes, schmutziges Draußen. Letzte Eindrücke vom Kreuzberger Winter sammeln, kopfmäßig schon im Flieger nach Portugal, den sie übermorgen besteigen wird. Für Fanny Zanke (31) war Berlin stets nur Transitzone, ein guter Ort um zu lernen und Perspektiven zu überprüfen. "Als ich hierher kam, war alles in Bewegung." Mittlerweile haben sich die Dinge eingependelt, Entwicklungen sind vorhersehbar. "In Porto erlebe ich an einem Abend mehr als hier in drei Wochen." Die Hafenstadt im Westen der iberischen Halbinsel war nach der Jugend in Ulm und dem Malereistudium in Karlsruhe ihr erstes Ziel. Dort arbeitete sie zunächst als Fotografin, dann kam das Filmemachen. Nach Berlin zog es Fanny, um "Sei mein Fremder" zu produzieren, ihr "Gesellenstück", wie sie sagt. Rund drei Jahre arbeitete sie an dem zwanzigminütigen Schwarzweißfilm. Vom Drehbuch und Regie, über Kamera, Ton und Schnitt bis hin zur Entwicklung und Kopierung des Materials erledigte Fanny alles im 1 Frau-Verfahren, denn Geld war kaum vorhanden. Als Produktionsfahrzeug diente ein Fahrrad, in dessen Satteltaschen die Ausrüstung Platz fand: Filmbüchsen, DAT-Rekorder und eine handliche Arri-St Kamera. Fanny möchte diese Zeit nicht romantisieren. Natürlich habe es genervt, die ewige Produktionszeit für einen kurzen Film, die MacJobs zwischendurch, um überleben zu können, ja, auch die Rückschläge und Mißerfolge. Trotzdem hat sich die Mühe für sie gelohnt, denn immerhin, so Fanny, hat ihr das Projekt die Filmschule ersetzt, an der sie sich zuvor vergeblich beworben hatte. "Sei mein Fremder" ist ein ruhiger und poetischer Film. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die sich in ihrer Einsamkeit den idealen Partner kurzerhand imaginiert und in das reale Leben miteinbezieht. "Liebesgeschichte mit einer Person" nennt die Autorin ihren Film, dem man die bescheidenen Produktionsbedingungen zwar ansieht, aber nicht als Mangel empfindet, da auf dramaturgische oder technische Effekthascherei konsequent verzichtet wird. "Man sollte das nutzen, was da ist und nichts kostet, nämlich die Eigenart eines Ortes, und was man auf der Straße findet", umreißt Fanny ihre Idee vom unabhängigen Film. Überdies, erklärt sie, wolle sie den "Eigengeschmack eines Augenblicks sichtbar machen", Subtexte erschließen und "eine gewisse Art von Sensibilisierung erreichen." Dieser etwas nebulöse Expressionismus ist wohl nur bedingt vermittelbar, denn "Sei mein Fremder" wurde von den meisten Festivals abgelehnt. Für Fanny kein Grund zur Resignation, allenfalls der Beleg dafür, daß ihre Art von Film eben nicht kommerziell verwertbar ist. "Ich finde es Scheiße, wenn der unabhängige Film den abhängigen imitiert, um bei irgendwelchen Produzenten Eindruck zu schinden." Fanny ist entschlossen, weiter zu machen, zur Not auch als Einzelkämpferin. "Ich weiß, daß ich mich nicht so zurechtstutzen kann, daß ich in die kommerzielle Kiste passe. Entweder sie nehmen meine exotischen Blumen oder sie lassen es." Natürlich sind auch Fannys Prinzipien bis zu einem gewissen Grad dehnbar. Am Ende des Gespräches erzählt sie beiläufig, daß sie gerade an ein paar Drehbüchern arbeitet, um so vielleicht etwas Geld zu verdienen, und die "sollen dann schon marktfähig sein."

J.L.

Im Gespräch mit Marco Voß

Marco Voß war 1991 Mitbegründer des Filmdokument e.V., ein Zusammenschluß von Babelsberger Hochschulabsolventen in der Gormannstraße. In der Hoffnung, dem freien Markt gemeinsam trotzen zu können, wurden Stoffe umgesetzt, die sich dem sozialen Umbruch jener Jahre in Berlin widmeten. Erstaunlich schnell gelang der Anschluß an Fernsehsender und damit die Konkurrenz zu kommerziellen Firmen. Der daraus folgende Wegbruch von ABM führte zur faktischen Auflösung des Vereins. Der letzte produzierte Film "Die verlorene Straße" (Spielfilm, 25 Min.) lief auf diversen internationalen Festivals, jedoch nicht in Deutschland. Marco Voß, heute Producer bei KoppFilm, hat daher ein ureigenes Interesse an Abspielmöglichkeiten für Independent-Filme.

Marco Voß: Die Überlegungen haben sich mit dem kommerziellen Erfolg des deutschen Films verändert. Alles richtet sich auf die kommerzielle Schiene aus. 20% Marktanteil des deutschen Films 1996, unerreicht bisher. Gleichzeitig sind die Fernsehsender, auch die öffentlich-rechtlichen genauso auf diesem Trip. Das führt zur Verdrängung. Die kleinen Filme, die so nebenbei gemacht wurden, werden jetzt erstens nicht mehr finanziert und zweitens sieht sie keiner mehr.

In welchem Bereich arbeitet Koppfilm?

Voß: Im Prinzip arbeitet KoppFilm im Dienstleistungsbereich: Post Production, Graphikaufträge, Kamera- und Technikverleih, ein kleines Studio, Kompletteams, die von Sendern abgefordert werden, Online- und Offline-Avid - was es in Berlin noch nicht so oft gibt. Wir sind in der Lage, ein Projekt vom Buch bis zum sendefertigen Produkt zu betreuen.

Nichts für Independentfilmer - Koppfilm ist de facto ein professionelles Unternehmen.

Voß: Ja, wobei die Frage steht: was ist independent? Von independent spricht man bis 1,5 Mio. Und mit 1,5 Mio. kann ich viel machen.

Es gibt so viele Definitionen wie befragte Personen.

Voß: Zu uns können Leute kommen, die eine Idee haben, ein kleines Kurzfilmprojekt. Wir versuchen, auf dem Markt, wo der Kuchen schon verteilt ist, unsere Chance zu finden, indem wir die Kreativleute ansprechen.

Aber wenn ihr euch dafür entscheidet, müßt ihr erst einmal eine Finanzierung herstellen.

Voß: Ja klar. Trefferquote 1 : 100.

Wieviel eurer Kapazität steckt ihr in "interessante" Projekte und wieviel in Dienstleistung und Auftragsarbeiten?

Voß: Dienstleistung hat eindeutig Vorrang. Es gibt eine kurz-, eine mittel- und eine langfristige Planung. Bei der kurzfristigen gehts darum, so schnell wie möglich zu drehen, das können keine teuren Stoffe sein, denn allein die Abnahmezeiträume der Fernsehsender liegen bei etwa einem halben Jahr. Wir machen also möglicherweise Kurzfilme, an denen Koppfilm selbst mit Technik, Nachtschichtenkapazitäten, aber Null Pfennig beteiligt ist, sodaß lediglich der Cutter bezahlt werden muß. Mittelfristig versuchen wir Dokumentarstoffe bzw. Koproduktionen zu machen, die im Einjahreszeitraum und Fernsehrahmen realisierbar sind und langfristig dann eigene Projekte, Fernsehfilme, Kinofilme für einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren.

Das ist bis jetzt noch Perspektive?

Voß: Was bis jetzt passiert ist, sind Auftragsproduktionen. Zum Beispiel Querstraße, das Kulturmagazin im ORB, Produktionen für Kinderkanal.

Was meinst du, wie man die Situation unabhängiger Filmarbeit in Berlin verbessern könnte? (Marco Voß hat Kontakte zum IFN aufgenommen. Anm. d. A.)

Voß: Lobbyarbeit ist im Independentbereich sehr wichtig. IFN als Anlaufstelle für Leute, die Strukturen und Bürokratie fürchten, z.B. bei der Filmförderung. Zwar ist das auch wieder eine gewisse Bürokratisierung, es werden andere Leute damit belastet. Aber die Hoffnung ist ja, daß z.B. das Filmboard IFN als Notwendigkeit akzeptiert, da es sonst eine Lücke gibt zwischen kommerziellem Film und gar keinem Film. Die Maßstäbe müssen anders gesetzt werden. Wenn Kurzfilm an der Zuschauererwartung gemessen wird, dann kann man gleich aufhören. Deshalb muß es Strukturförderung geben. Eine zwischengeschaltete Instanz, eine Agentur könnte durch Kompetenz in der Abwicklung Sicherheiten schaffen und bürgen für das Zustandekommen des Projektes. Es gäbe Möglichkeiten, viel Geld in die Werbung zu stecken, Filme zu koppeln und regelmäßig zu zeigen, nicht nur auf einem Festival. Wenn, dann muß das kontinuierlich stattfinden mit europaweiter Vernetzung.

Ich glaube nicht, daß Filmboard Geld und Verantwortung aus der Hand gibt und anderen anvertraut.

Voß: Sie geben es nicht aus der Hand, fordern aber derartig viel Bürokratie ein, daß manche Leute von vornherein den Weg nicht mehr einschlagen. Die Independent-Szene ist aber so entwickelt, daß die Förderung durchaus zu Erfolgen führen kann. Was sind 100000 DM bei 20 Mio. Budget? Die Unabhängigen würden mit 100000 DM gewiß 20 Filme ausspucken. 20 Filme, die gebündelt unter einem Label laufen und Filmboard sagen kann: IFN ist ein Kind von uns, IFN würde sagen: die 20 Filme sind Kinder von uns. Man könnte sie zeigen in Zürich oder Amsterdam, das würde dann so ein Automatismus werden.

bwh

Zwar nicht der wichtigste, meistens aber der schwierigste Aspekt einer Filmproduktion: Das Geld!

Film ist im Vergleich mit anderen Künsten die mit Abstand teuerste. Selbst bei zurückhaltender Kalkulation (ausgenommen sind die "Videoasten" mit S-VHS und einem unerschöpflichen Maß an Idealismus) ist sowohl im professionellen Video- wie auch 16mm-Filmformat von 1000,- DM/Minute Produktionskosten auszugehen. Die Suche nach Geldgebern gestaltet sich für Newcomer außerordentlich schwierig. Als einzig relevante öffentliche Förderinstanz kommt die Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH in Frage. Für 1998 stehen der Filmboard ca. 34 Mio. DM zur Verfügung, 1997 sind 27 Mio. ausgeschüttet worden. Die Förderrichtlinien verlangen vom Produzenten einen Verleih-(Vor)vertrag, aber welcher Jungfilmer kann den ohne Produzenten schon bieten? Eine Empfehlung für Nachwuchsregisseure von Filmboard-Pressesprecher Jens Steinbrenner: "Sie müssen für ihre Stoffe Produzenten begeistern und bereit sein, nicht nur ihre Träume zu verwirklichen, sondern eine Zielgruppe im Auge zu behalten. Wir arbeiten mit Steuergeldern und möchten die sinnvoll anlegen."

Immerhin: erstmalig richtete die Filmboard ein sogenanntes Pitch ein, eine Art Kontaktbörse, die Stoffe von Autoren in Kurzfassung an Produzenten weiterleitet.

In der Konsequenz entstehen zwei Linien:

1. Die One-Man-Production. Hier ist der Regisseur = Autor = Cutter = Produzent. Die Film-/Videotechnik wird bei einem der nichtkommerziellen Anbieter (s. Info-Box) geliehen, Freunde helfen unentgeltlich mit. Im Ergebnis entstehen Kurzfilme in Selbstausbeutung. Sieht sie niemand, erlahmt der Enthusiasmus. Aber eines können sie für sich in Anspruch nehmen: inhaltliche Autonomie und Freiheit!

2. Die Einreichung eines Stoffes bei professionellen (aber nicht zwangsläufig unkreativen) Produktionsfirmen, was nur wenigen gelingt. Kurzfilm verkauft sich eben nicht gut. Etwas aus dem Rahmen fällt die Eigeninitiative von Frank Duske. Er warf kurzerhand die "Ziegenaktie" (nach seinem künftigen Spielfilm "Die nackte Ziege") zum Stückpreis von 15,- DM auf den Markt. 10000 DM davon hat er bisher veräußert und demzufolge immerhin 150.000 DM erwirtschaftet. Hoffentlich beschränkt sich Duskes Originalität nicht nur auf die Akquise...

Sinnvoll zur Bündelung des zweifelsohne kreativen Potentials wäre eine zwischengeschaltete Instanz, die die Interessen der vielen einzelnen vor Förderinstanzen vertritt, aber auch Kontakte vermittelt und praktische Hilfestellung gibt. Mit dieser Absicht gründeten Cordula Sandow und ihre Mitarbeiter des "Circles of Confusion" Festivals im Herbst 1996 die Initiative IFN-Idependent Film Network. Ziel ist die "Förderung der Kommunikation der Filmemacher untereinander. Den Überblick über die verschiedenen Initiativen herzustellen, einen regelmäßigen Informationsaustausch zu etablieren." (C. Sandow).

bwh

Independent Film-InfoBox - einige nützliche Adressen für Filmemacher ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Geld:
Filmboard Berlin-Brandenburg, August-Bebel-Str. 26-53, 14482 Potsdam, Tel. 0331/721-2859, Fax 0331/721-2848

Beziehungen:
IFN - Independent Film Network, c/o Corda, Heinrich-Roller-Str. 25, 10405 Berlin, Tel. 030/4425237, Fax 030/44050266, Kontaktbörse für unabhängige Filmemacher. Monatlich wechselnd: Open Screenings (next: 26. Februar, 20 Uhr Schmaltzwald/Prater) und Open Meetings (next: 15. März, 19 Uhr im Roten Salon der Volksbühne)

Hilfe:
-No Budget-Filmservice e.V. / Kellerkino, Dresdner Str. 125, 10999 Berlin, Tel. 030/6147519, Fax 030/6159231, Filmgeräteverleih, Post Production, filmtechnische Seminare und Programmkino
-Eisenstein e.V. / Nemo Film, Rigaer Str. 103, 10247 Berlin, Tel. 030/42219621,Fax 030/42219622, Film- und Videogeräteverleih, Post Production, Abspielmöglichkeit im angeschlossenen Kino Filmriß
-Vilmbureau Schönhauser Allee 5, 10119 Berlin, Tel. 030/4255270 + 443890-40, Fax 030/443890-99, Videogeräteverleih, Post Production, Abspielmöglichkeit jeden Mittwoch 21 Uhr
-KoppFilm, Novalisstr. 10, 10115 Berlin, Tel. 030/2839250 + 2824000, Fax 030/28392599
-Festivals: Circles of Confusion (November), Kontakt: s. Independent Film Network
-Interfilm (voraussichtlich November 1998) Kontakt: Bewegliche Ziele e.V. Urbanstr. 45, 10967 Berlin, Tel. 030/6932956 + 6932959, Fax 030/6932959

© scheinschlag 2000
Inhalt dieser Ausgabe | Home | Aktuelle Ausgabe | Archiv | Sitemap | E-Mail

  Ausgabe 04 - 1998